Schlagwort: Lukas

  • Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

    Der Mensch lebt nicht vom Brot allein 5.Mo.8,3; Mt 4,4; Lk.4,4

    Der Satz „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ stammt ursprünglich aus 5. Mose 8,3 im Buch Deuteronomium und wird von Jesus Christus in Matthäus 4,4 und Lukas 4,4 aufgegriffen. In seinem ursprünglichen Zusammenhang erinnert Mose das Volk Israel an die Zeit der Wüstenwanderung und daran, dass Gott sie nicht nur mit Manna versorgt hat, sondern sie auch geistlich geprägt hat.

    Die Aussage bedeutet, dass nicht allein materielle Nahrung und äußere Versorgung das Leben des Menschen bestimmen. Brot steht hier symbolisch für alles, was den körperlichen Bedarf deckt. So wichtig diese Dinge auch sind, sie reichen allein nicht aus, um ein erfülltes Leben zu führen. Der Mensch hat neben seinen körperlichen Bedürfnissen auch geistliche, seelische und sinnstiftende Bedürfnisse.

    Der vollständige Vers aus 5. Mose lautet sinngemäß, dass der Mensch von allem lebt, was aus dem Mund Gottes hervorgeht. Das macht deutlich, dass das Wort Gottes als eine Quelle von Orientierung, Sinn und Lebensführung verstanden wird. Es geht um Vertrauen, Weisung und die Beziehung zu Gott, die dem Leben Tiefe und Richtung gibt.

    Im Neuen Testament greift Jesus Christus diesen Gedanken in der Versuchungsgeschichte auf. Als der Teufel ihn auffordert, Steine in Brot zu verwandeln, verweist er auf diese Schriftstelle und macht deutlich, dass geistliche Treue und Vertrauen auf Gott wichtiger sind als die unmittelbare Befriedigung körperlicher Bedürfnisse. Damit zeigt er, dass der Mensch nicht nur von materiellen Ressourcen abhängig ist, sondern vor allem von der Verbindung zu Gott lebt.

    Sinn und Einsicht

    Der Satz erinnert daran, dass ein erfülltes Leben mehr umfasst als Ernährung, Besitz oder äußeren Erfolg. Auch Werte wie Sinn, Beziehung, Glaube und innere Orientierung spielen eine entscheidende Rolle. Ohne diese Dimension bleibt das Leben unvollständig, selbst wenn die materiellen Bedürfnisse gedeckt sind.

    So wird „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ zu einer grundlegenden Einsicht über die Natur des Menschen. Er weist darauf hin, dass wahres Leben aus mehr besteht als aus dem, was man sehen und anfassen kann, und dass die geistliche Dimension ebenso wichtig ist wie die körperliche Versorgung.

  • Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich

    Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich. Matthäus 12,30; Lukas (9,50) 11,23

    Der Satz „Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich“ stammt aus den Evangelien des Neuen Testaments, insbesondere aus Matthäus 12,30 und in ähnlicher Form aus Lukas 11,23 (9,50). Jesus Christus sagt den Satz im Zusammenhang mit Auseinandersetzungen über seine Vollmacht und sein Wirken.

    Die Aussage steht in einem Kontext, in dem Jesus kritisiert wird und seine Gegner seine Taten unterschiedlich deuten. Mit diesem Satz macht er deutlich, dass es keine neutrale Haltung ihm gegenüber gibt. Wer sich nicht bewusst für ihn entscheidet oder sein Wirken anerkennt, stellt sich – im übertragenen Sinn – gegen ihn. Es geht dabei weniger um eine aggressive Abgrenzung, sondern um die Klarheit einer Entscheidung.

    Der Gedanke unterstreicht die Bedeutung von Haltung und Positionierung. In Fragen des Glaubens reicht es nicht aus, unentschieden oder indifferent zu bleiben. Vielmehr fordert die Aussage dazu auf, sich bewusst zu verhalten: entweder für das, was Jesus verkündet und repräsentiert, oder dagegen. Diese Zuspitzung soll Klarheit schaffen und verdeutlichen, dass Gleichgültigkeit ebenfalls eine Form von Stellungnahme ist.

    Im weiteren Zusammenhang spricht Jesus auch davon, dass man „mit ihm sammelt oder zerstreut“. Damit wird bildhaft beschrieben, dass Handlungen entweder im Einklang mit seinem Wirken stehen und es fördern oder ihm entgegenwirken. Es geht also nicht nur um Worte oder Bekenntnisse, sondern auch um das konkrete Verhalten eines Menschen.

    Im übertragenen Sinn kann der Satz allgemein auf Lebensentscheidungen bezogen werden, bei denen es um grundlegende Werte und Richtungen geht. In solchen Situationen gibt es oft keine vollständig neutrale Position, sondern Entscheidungen, die sich gegenseitig ausschließen und eine klare Ausrichtung verlangen.

    So bringt die Aussage „Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich“ die Bedeutung von Entscheidung und Klarheit zum Ausdruck. Sie fordert dazu auf, sich bewusst zu positionieren und macht deutlich, dass Zugehörigkeit und Haltung im Blick auf Jesus nicht beliebig oder gleichgültig sind, sondern eine eindeutige Ausrichtung erfordern.

  • Moses und die Propheten

    Moses und die Propheten Lukas 16,29

    Der Ausdruck „Moses und die Propheten“ stammt aus Lukas 16,29. Er wird von Jesus von Nazareth indem Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus verwendet. Dort sagt Abraham zu dem reichen Mann, dass seine Brüder „Mose und die Propheten“ hören sollen, also die Heiligen Schriften, die ihnen bereits vorliegen.

    „Mose und die Propheten“ meint die Gesamtheit der hebräischen Bibel, also das Gesetz (Tora). Dieses wird traditionell auf Mose zurückgeführt, sowie die prophetischen Schriften, die durch die Propheten überliefert wurden. Der Ausdruck steht somit sinnbildlich für die göttliche Offenbarung, die den Menschen bereits gegeben ist.

    Im Kontext des Gleichnisses wird deutlich, dass diese vorhandene Offenbarung ausreicht, um ein Leben nach Gottes Willen zu führen. Der reiche Mann bittet darum, jemanden von den Toten zu seinen Brüdern zu senden, um sie zu warnen. Doch die Antwort lautet, dass die Schriften selbst genügen: Wer „Mose und die Propheten“ nicht hört, wird sich auch durch ein außergewöhnliches Zeichen nicht überzeugen lassen.

    Moses und die Propheten

    Die Aussage macht deutlich, welche Bedeutung den überlieferten Worten Gottes zukommt. Sie sind nicht nur historische Texte, sondern eine verbindliche Grundlage für Orientierung, Glauben und Handeln. Wer sich mit ihnen auseinandersetzt, hat bereits Zugang zu wesentlichen Einsichten über Gott, den Menschen und ein verantwortliches Leben.

    Der Ausdruck findet heute oft Verwendung, um auf die Autorität der Schrift oder auf bewährte Grundlagen von Weisheit und Lehre hinzuweisen. Er kann daran erinnern, dass wichtige Antworten nicht immer neu gesucht werden müssen. Sie sind oft bereits in dem enthalten sind, was überliefert und zugänglich ist.

    So steht die Redewendung für die umfassende Botschaft der biblischen Tradition, die als Grundlage für Erkenntnis und Orientierung dient. Die Aussage im Lukasevangelium betont, dass diese vorhandene Offenbarung ernstzunehmen ist- Sie reicht aus, um den Weg zu einem verantwortungsvollen und bewussten Leben zu weisen.

  • Eins aber ist not

    Eins aber ist not Lukas 10,42

    Der Satz „Eins aber ist not“ stammt aus dem Evangelium nach Lukas (Lukas 10,42). Er wird von Jesus im Gespräch mit Martha und Maria von Bethanien gesprochen. In dieser Begebenheit kümmert sich Martha um viele häusliche Aufgaben, während Maria sich zu Jesus setzt und seinen Worten zuhört.

    Martha beklagt sich darüber, dass sie allein mit der Arbeit sei. Jesus antowrtet mit den Worten: „Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe; eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt. Das soll nicht von ihr genommen werden“. Damit weist Jesus darauf hin, dass inmitten vieler Aufgaben eine grundlegende Priorität nicht aus dem Blick geraten darf.

    Prioritäten

    „Eins aber ist not“ bedeutet, dass es etwas gibt, das im Vergleich zu vielen anderen Dingen Vorrang hat und entscheidend ist. Im Kontext der Erzählung ist damit die Hinwendung zu Jesus und das Hören auf sein Wort gemeint. Während die Sorge um praktische Dinge nicht grundsätzlich abzuwerten ist, wird deutlich gemacht, dass sie nicht das Wichtigste im Leben sein darf.

    Die Szene stellt zwei Haltungen gegenüber. Die aktive Sorge um viele Dinge und die ruhige Aufmerksamkeit für das Wesentliche. Jesus macht deutlich, dass beides seinen Platz hat, aber nicht im gleichen Maß gewichtet haben sollen. Das Hören auf sein Wort wird hier als „das gute Teil“ bezeichnet, das bleibenden Wert hat.

    Im übertragenen Sinn wird der Satz heute oft verwendet, um daran zu erinnern, dass es im Leben zentrale Prioritäten gibt. Diese sollten nicht von vielen nebensächlichen Anliegen überdeckt werden. Er kann als Aufforderung verstanden werden, sich bewusst Zeit für das Wesentliche zu nehmen und nicht ausschließlich von alltäglicher Geschäftigkeit bestimmt zu werden.

    So bringt „Eins aber ist not“ eine grundlegende Einsicht zum Ausdruck: Inmitten vieler Anforderungen und Aufgaben bleibt das Hören, Verstehen und Ausrichten auf das Wesentliche entscheidend. – Jesus spricht hier von der Notwendigkeit (=Not),dass die Ausrichtung auf Gott und sein Wort wichtiger sind als alle Betriebsamlkeit, Aktionismus oder andere, „irdische“ Dinge.

  • Öl in die Wunden gießen

    Öl in die Wunden gießen Lk 10,33-34

    Der Ausdruck „Öl in die Wunden gießen“ geht auf die Erzählung vom barmherzigen Samariter in Lukas 10,33–34 zurück. In dieser Geschichte handelt Jesus von einem Mann, der auf der Reise unter die Räuber gefallen ist und schwer verletzt am Weg liegt.

    Ein Samariter ist jemand aus einer Gruppe, die im damaligen Kontext oft als fremd oder gesellschaftlich distanziert galt. Er hält an, sieht den Verletzten und wird von Mitgefühl bewegt. Er verbindet die Wunden des Verletzten, gießt Öl und Wein darauf und versorgt ihn sorgfältig. Diese Handlung steht für praktische Hilfe und konkrete Fürsorge gegenüber einem Menschen in Not.

    Das „Öl in die Wunden gießen“ hatte im antiken Kontext eine heilende und pflegende Funktion. Öl wurde zur Linderung von Schmerzen und zur Behandlung von Verletzungen verwendet. Im übertragenen Sinn beschreibt die Wendung eine helfende, beruhigende oder heilende Handlung gegenüber jemandem, der körperlich oder seelisch verletzt ist.

    Empatie und Anteilnahme

    Die Szene macht deutlich, dass Mitmenschlichkeit nicht an Herkunft, Religion oder gesellschaftliche Grenzen gebunden ist. Der Samariter handelt nicht aus Pflichtgefühl gegenüber einer eigenen Gruppe, sondern aus echter Anteilnahme. Damit wird ein Beispiel für gelebte Nächstenliebe gegeben, das über bloße Worte hinausgeht und sich in konkretem Handeln zeigt.

    Im übertragenen Sprachgebrauch wird „Öl in die Wunden gießen“ heute verwendet, um eine Situation zu beschreiben, in der jemand Trost spendet, Spannungen entschärft oder eine belastende Lage durch einfühlsames Verhalten erleichtert. Es kann sowohl im zwischenmenschlichen Bereich als auch in übertragenen Konfliktsituationen verwendet werden. Man wirkt dann besänftigend auf eine Person ein, versucht dabei, Wogen zu glätten und Frieden zu stiften.

    So zeigt die biblische Erzählung, dass Hilfe oft in kleinen, konkreten Gesten besteht, die jedoch eine große Wirkung haben können. Das Bild des Öls steht dabei für Fürsorge, Linderung und die Bereitschaft, sich einem anderen Menschen zuzuwenden und aktiv zu helfen.

    Hier besteht auch eine Verwechslungsgefahr. Wer nämlich Öl ins Feuer gießt oder Salz in Wunden streut, der verschlimmert die Sache noch weiter und erreicht damit das krasse Gegenteil.

  • Wie ein Ölgötze

    Wie ein Ölgötze Lk. 22,39

    Der Ausdruck „wie ein Ölgötze“ ist eine umgangssprachliche Redewendung. Sie geht nicht direkt als feststehender biblischer Begriff aus Lukas 22,39 hervor. Dafür steht sie aber im weiteren Umfeld von Begebenheiten aus dem Evangelium nach Lukas, in denen Jesus Christus in der Ölbergregion (Garten Getsemani) betet. Die Formulierung „Ölgötze“ selbst bezeichnet ursprünglich ein aus Holz oder Stein gefertigtes Götzenbild, das mit Öl überzogen sein konnte oder sinnbildlich mit etwas „eingelassen“ oder „glatt“ gemacht wurde.

    Im übertragenen Sinn wird „wie ein Ölgötze“ verwendet, um eine Person zu beschreiben, die regungslos, stumm oder ausdruckslos dasteht, ohne zu reagieren oder Anteil zu nehmen. Es geht dabei weniger um eine wörtliche Beschreibung, sondern um ein Bild für Passivität oder Teilnahmslosigkeit. Eine solche Haltung wird oft als auffällig empfunden, weil sie im Kontrast zu einer erwarteten Reaktion steht.

    Anteilnahme oder Teilnahmslosigkeit

    Im biblischen Kontext des Ölbergs wird hingegen ein sehr bewegtes Geschehen beschrieben. Jesus zieht sich zum Gebet zurück, ringt innerlich und bittet Gott um Kraft für das, was vor ihm liegt. Die Szene ist geprägt von intensiver innerer Auseinandersetzung, nicht von Teilnahmslosigkeit. Nur die Jünger schlafen. Gerade dieser Gegensatz zeigt, wie unterschiedlich Bilder und Redewendungen im Laufe der Zeit Verwendung finden können.

    Im allgemeinen Sprachgebrauch kann der Ausdruck „wie ein Ölgötze“ daher kritisch gemeint sein, wenn jemand als unbeteiligt, starr oder gleichgültig wahrgenommen wird. Er beschreibt eine äußere Erscheinung, die wenig oder keine emotionale Reaktion erkennen lässt.

    So verweist die Redewendung auf ein Bild aus der antiken Religionswelt und hat sich im übertragenen Sinn zu einer Beschreibung für menschliches Verhalten entwickelt. Sie macht deutlich, wie Sprache historische Vorstellungen aufgreift und in neue Bedeutungszusammenhänge überträgt.

    Eine etwas andere Bedeutung soll der Begriff im 16.Jahrhundert mit dem Beginn der Reformation erhalten haben. Damals verspotteten Protestanten die katholischen Priester, die zu ihrer Weihe mit Öl gesalbt wurden, als Ölgötzen.

  • Wie im Paradies – Im Paradies sein

    Wie im Paradies – Im Paradies sein Lk. 23,43

    Der Ausdruck „wie im Paradies“ bzw. „im Paradies sein“ geht auf eine Aussage von Jesus aus Lukas 23,43 zurück. Am Kreuz wendet sich Jesus einem der Mitgekreuzigten zu und spricht zu ihm: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Diese Worte stehen in einer Situation äußerster Not und zugleich großer Hoffnung.

    Das „Paradies“ bezeichnet im biblischen Zusammenhang einen Ort der Gemeinschaft mit Gott, des Friedens und der Geborgenheit. Der Begriff erinnert zugleich an den Garten Eden aus dem Anfang der Bibel, in dem der Mensch ursprünglich in Harmonie mit Gott lebte.
    Der Garten Eden wird in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta, paradeisos genannt. Das Wort stammt us der altpersischen Sprache und bedeutete Garten oder Park.
    In der Aussage Jesu wird das Paradies jedoch als eine zukünftige Wirklichkeit verstanden, in die der Mensch nach dem Tod eintreten kann.

    Bemerkenswert ist, dass diese Verheißung einem Menschen zugesprochen wird, der sich in einer Grenzsituation befindet und sich Jesus im Vertrauen zuwendet. Damit wird deutlich, dass der Zugang zum „Paradies“ nicht von äußeren Leistungen abhängt, sondern von der Beziehung zu Gott und vom Vertrauen auf ihn.

    Als Ort und Zustand

    Die Redewedung wird heute verwendet, um einen Zustand großer Freude, Ruhe oder Zufriedenheit zu beschreiben. Es kann sich auf einen Ort beziehen, der besonders schön und friedlich ist, oder auf eine Situation, in der man sich rundum wohlfühlt.

    Die biblische Aussage geht jedoch über diese alltägliche Verwendung hinaus. Sie beschreibt eine tiefere Hoffnung: dass es eine Wirklichkeit gibt, in der Leid, Schuld und Begrenzung überwunden sind und der Mensch in vollkommener Gemeinschaft mit Gott lebt.

    So verbindet der Ausdruck die Vorstellung eines vollkommenen Friedens mit der Hoffnung auf eine Zukunft bei Gott. Selbst in einer Situation größter Dunkelheit eröffnet er eine Perspektive von Trost, Nähe und endgültiger Geborgenheit.

    In der Umgangssprache verwenden wir das „wie im Paradies sein“ für einen Ort oder Zustand, wo wir dem Alltag entfliehen, Sorgen und Belastungen hinter uns lassen, zur Ruhe kommen und Zufriedenheit empfinden (s.o.).

  • Paradiesische Zustände

    Paradiesische Zustände Lk 23,43; 2Kor 12,4; Offb. 2,7

    Der Ausdruck „paradiesische Zustände“ hat seinen Ursprung in verschiedenen biblischen Vorstellungen vom Paradies. Diese werden unter anderem im Evangelium nach Lukas (Lk 23,43), im zweiten Korintherbrief (2 Kor 12,4) sowie in der Offenbarung des Johannes (Offb. 2,7) beschrieben. Die Texte zeigen unterschiedliche Facetten eines Ortes oder Zustands, der durch Nähe zu Gott, Frieden und Vollkommenheit geprägt ist.

    In Lukas 23,43 spricht Jesus dem reuigen Mitgekreuzigten eine Verheißung zu. Danach soll dieser noch am selben Tag mit ihm im Paradies zu sein. Hier steht das Paradies für eine unmittelbare Gemeinschaft mit Gott nach dem Tod. Der Zustand ist frei von Leid und Schuld. Im zweiten Korintherbrief berichtet Paulus von Tarsus von einer visionären Erfahrung, in der er „in das Paradies entrückt“ wurde und unaussprechliche Worte hörte. Für ihn ist das ein Hinweis auf eine Wirklichkeit, die menschliche Vorstellungskraft übersteigt. In der Offenbarung schließlich wird das Paradies mit dem „Baum des Lebens“ verbunden, der denen verheißen ist, die überwinden. Hier ist es ein Bild für ewiges Leben und erneuerte Schöpfung.

    Ort oder Zustand des Daseins

    Gemeinsam ist diesen Vorstellungen, dass das Paradies als Ort oder Zustand vollkommener Harmonie gilt. Es istrei von Leid, geprägt von Frieden, erfüllt von Gottes Gegenwart. Hier ist es ein Gegenbild zu den Begrenzungen und Mühen der irdischen Welt und zugleich Ziel und Hoffnung des Glaubens.

    Im übertragenen Sinn findet der Ausdruck „paradiesische Zustände“ heute Verwendung, um besonders angenehme, friedliche oder ideale Lebensverhältnisse zu beschreiben. Damit kann ein Ort gemeint sein, der durch Schönheit und Ruhe besticht, oder eine Situation, in der Sorgen und Konflikte in den Hintergrund treten.

    Die biblische Grundlage verleiht dieser Redewendung jedoch eine tiefere Dimension. Sie erinnert daran, dass die Sehnsucht nach solchen „paradiesischen Zuständen“ im Menschen verankert ist und auf eine umfassendere Hoffnung verweist: auf eine Wirklichkeit, in der das Leben in seiner ursprünglichen Fülle und in Gemeinschaft mit Gott vollendet wird.

  • Einen Paternoster benutzen

    Einen Paternoster benutzen Mt 6,9–13; Lk 11,2–4

    Der Ausdruck „einen Paternoster benutzen“ geht auf das Gebet zurück, das Jesus Christus seine Jünger lehrt, überliefert im Evangelium nach Matthäus (Mt 6,9–13) und Lukas (Lk 11,2–4). Dieses Gebet beginnt mit den Worten „Vater unser“ – auf Latein „Pater noster“ – und wurde daher im kirchlichen Sprachgebrauch so bezeichnet.

    Ursprünglich meint „einen Paternoster benutzen“ das Beten dieses zentralen christlichen Gebets. Im Laufe der Zeit wurde der Begriff auch auf die Gebetsschnur übertragen, die beim Beten verwendet wird, insbesondere im Zusammenhang mit wiederholten Gebeten. Diese Schnur hilft dabei, die einzelnen Gebete zu zählen und sich auf das Gebet zu konzentrieren.

    Im biblischen Kontext steht das Vaterunser für eine einfache, klare und zugleich umfassende Weise zu beten. Jesus gibt seinen Jüngern damit kein langes oder kompliziertes Gebet vor, sondern eine Struktur, die sowohl die Beziehung zu Gott als auch die Anliegen des Menschen umfasst: Gottes Name, sein Wille, das tägliche Brot, Vergebung und Bewahrung.

    Der Ausdruck „einen Paternoster benutzen“ kann im übertragenen Sinn auch bedeuten, dass jemand regelmäßig oder routinemäßig betet. Manchmal wird er auch leicht ironisch verwendet, wenn Gebete als bloße Gewohnheit ohne innere Beteiligung gesprochen werden. Ursprünglich jedoch steht er für eine Form der bewussten Hinwendung zu Gott.

    So verbindet der Begriff „Paternoster“ eine konkrete Gebetspraxis mit einem der bekanntesten Texte des Christentums. Er erinnert daran, dass Beten sowohl eine persönliche als auch eine gemeinschaftliche Handlung ist, die dem Menschen Orientierung, Trost und Verbindung zu Gott geben kann.

    Mit dem Aufzug nach oben

    Eine weitere Bedeutung der Redewedung „einen Paternoster benutzen“ ist die Fahrt mit einer speziellen Aufzugsanlage zur Personenbeförderung. Der sogenannt Personen-Umlauf-Aufzug ist bei wikipedia hier beschrieben.
    Die Bezeichnung paternoster hat etwas mit dem Rosenkranz, einer Gebetsschnur mit 59 Perlen und einem Kreuz, zu tun. Diese Perlen werden während des Gebetes zwischen den Fingern stetig weitergeschoben.
    Auch die Aufzugskabinen laufen an einer Kette rundherum, in dem einen Aufzugsschacht aufwärts, im anderen abwärts und werden oben und untern jeweils umgesetzt.
    Der erste bekannte Paternoster wurde 1876 im General Post Office in London eingebaut. Die („augenzwinkernde“) Bezeichnung für den Aufzug stammt von Arbeitern im Bergbau, wo ähnliche Fördersysteme schön länger in Gebrauch waren.

  • Das anvertraute Pfund

    Das anvertraute Pfund Lukas 19,12-23

    Der Ausdruck „das anvertraute Pfund“ stammt aus dem Gleichnis von Jesus Christus im Evangelium nach Lukas (Lk 19,12–23). In diesem Gleichnis erzählt Jesus von einem vornehmen Mann. Dieser reist in ein fernes Land und vertraut seinen Dienern jeweils eine Geldmenge an. Damit sollen sie wirtschaften, bis er zurückkehrt.

    Das „anvertraute Pfund“ steht für Gaben, Fähigkeiten. Es steht auch für die Verantwortung, die einem Menschen im Leben gegeben sind. Wichtig ist: Diese Gaben sind nicht Eigentum des Dieners. Sie sind ihm anvertraut. Und sie sollen genutzt, entfaltet und sinnvoll eingesetzt werden.

    Im Gleichnis reagieren die Diener unterschiedlich. Einige setzen das ihnen Anvertraute ein und erwirtschaften Gewinn, andere handeln aus Angst oder Bequemlichkeit und vergraben ihr Pfund, anstatt damit zu arbeiten. Bei der Rückkehr des Herrn werden die treuen Diener gelobt und belohnt, während derjenige, der sein Pfund ungenutzt ließ, zur Rechenschaft gezogen wird.

    Das Gleichnissfordert dazu auf, Verantwortung ernst zu nehmen und mit den eigenen Möglichkeiten aktiv umzugehen. Es geht nicht nur um wirtschaftlichen Erfolg, sondern um die Haltung. Das, was man besitzt – Talente, Zeit, Wissen oder Einfluss – soll man nicht ungenutzt lassen, sondern fruchtbar machen.

    „Das anvertraute Pfund“ findet heute oft Verwendung, um persönliche Fähigkeiten oder Aufgaben zu beschreiben, die einem Menschen gegeben sind und die er sinnvoll einsetzen soll. Es erinnert daran, dass jeder Mensch etwas beitragen kann. Untätigkeit aus Angst oder Gleichgültigkeit bedeutet immer auch eine verpasste Chance.

    Das Bild fordert dazu auf, Verantwortung zu übernehmen, Vertrauen ernst zu nehmen und die eigenen Möglichkeiten nicht brachliegen zu lassen, sondern sie im Leben aktiv und bewusst einzubringen.

    Zuwachs und Zinsen

    Wer um seine Begabungen, Fähigkeiten und Potenziale weiß, wer sein Vermögen kennt, sein Kapital und seine Ressourcen, der wird sehr sicher damit arbeiten wollen, um es zu vermehren. Begabungen und Fähigkeiten wollen eingeübt und trainiert werden, sonst gehen sie verloren. Vermögen, das nicht arbeitet und das keine Zinsen bringt, wird über kurz oder lang weniger werden. Auch der persönliche Glaube, der brach liegt und nicht wachsen kann, wird irgendwann dahingehen. – Und das Bild mit den eigenen Pfunden kann auch missverstanden werden.

    Siehe auch:

    • Mit seinen Pfunden wuchern – hier
    • Sein Pfund vergraben – hier
  • Sein Pfund vergraben

    Sein Pfund vergraben Matthäus 25,18.25; Lukas 19,12ff.

    Der Ausdruck „sein Pfund vergraben“ geht auf die Gleichnisse von Jesus Christus im Evangelium nach Matthäus (Mt 25,18.25) sowie nach Lukas (Lk 19,12ff.) zurück. Dort beschreibt Jesus, wie ein Diener das ihm anvertraute Gut nicht nutzt, sondern es aus Angst oder Bequemlichkeit „in der Erde versteckt“, anstatt damit zu arbeiten.

    Das Bild vom „vergrabenen Pfund“ steht für eine Haltung der Untätigkeit und des Rückzugs. Ein Mensch erkennt zwar, dass ihm Fähigkeiten, Möglichkeiten oder Aufgaben anvertraut sind, entscheidet sich jedoch, diese nicht einzusetzen. Gründe dafür können Unsicherheit, Angst vor Fehlern, mangelndes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten oder auch Gleichgültigkeit sein.

    Im Gleichnis wird deutlich, dass das Verhalten dieses Dieners kritisch bewertet wird. Während andere ihre anvertrauten Mittel einsetzen und vermehren, bleibt sein Pfund ungenutzt. Damit verfehlt er den Sinn des ihm entgegengebrachten Vertrauens. Es geht nicht nur darum, keinen Schaden anzurichten, sondern darum, Verantwortung aktiv wahrzunehmen.

    Übertragen auf das Leben bedeutet „sein Pfund vergraben“, die eigenen Talente, Chancen oder Aufgaben nicht zu nutzen. Das kann sich im persönlichen, beruflichen oder sozialen Bereich zeigen. Wenn jemand Fähigkeiten nicht einbringt, obwohl sie gebraucht werden, oder Möglichkeiten aus Angst vor Risiko ungenutzt lässt.

    Die Aussage des Gleichnisses lädt dazu ein, mit dem eigenen Leben bewusst umzugehen und die eigenen Gaben nicht zu verstecken. Sie betont, dass Vertrauen, das einem entgegengebracht wird, auch eine Aufgabe ist. Es heißt, aktiv zu handeln, statt sich zurückzuziehen.

    So wird „sein Pfund vergraben“ zu einem warnenden Bild für verpasste Chancen. Es ist zugleich auch eine Aufforderung, Verantwortung zu übernehmen und die eigenen Möglichkeiten mutig und sinnvoll einzusetzen.


    Von Talenten ist die Rede

    Der Vers Matthäus 25,15 lautet in der Übersetzung der Elberfelder Bibel: „Und einem gab er fünf Talente, einem anderen zwei, einem anderen eins, einem jeden nach seiner eigenen Fähigkeit; und reiste außer Landes.“ –

    Martin Luther macht an der Textstelle aus den Talenten Zentner. Vermutlich will er erreichen, dass die einfachen Menschen, die den deutschen Bibeltext lesen, sich unter der Maßangabe etwas vorstellen können.

    Ein biblisches Talent entspricht etwa 30 bis 35 kg. Der Zentner ist als das Hundertfache eines Basisgewichtes – das Pfund entspricht regionalbedingt zwischen 400 bis 500 g – wohl etwas schwerer. Aber mit 40 bis 50 kg ist ein Zentner für die Menschen leichter vorstellbar und überhaupt greifbar – nicht nur im 16. Jahrhundert.

    Die biblische Gewichtsangabe Talent wird durch Aufwiegen mit Gold, Silber oder Kupfer auch für Zahlungsmittel genutzt. Nimmt man einen aktuellen Silberpreis, so kommen für die Eigentumsanteile, die der Herr im Gleichnis den Dienern übergibt, beachtliche Summen zusammen.

    Durch die Auslegung des Gleichnisses wird das Talent, das ursprünglich als babylonische Einheit die Traglast eines Mannes bezeichnet und später sowohl Gewichts- als auch Währungseinheit ist, zum Synonym für die verschiedenen Fähigkeiten und Begabungen eines Menschen. Solche Gaben wollen gefunden und gefördert sein, (junge,) begabte Menschen müssen Möglichkeiten haben und nutzen, Fähigkeiten zu üben, Erfolge zu erreichen und durch „produktive Unzufriedenheit“ und wachsendes Selbstvertrauen immer besser werden.  – Die Menschen, die im Gleichnis von ihrem Herrn mit Talenten ausgestattet werden, kennen die Geschäfte des Herrn, und sie erkennen die Möglichkeiten, die sich ihnen bieten. Entsprechend gehen sie an die Arbeit.

    Was du ererbt von deinen Vätern hast,
    erwirb es, um es zu besitzen.
    Was man nicht nützt, ist eine schwere Last,
    nur was der Augenblick erschafft, das kann er nützen.

    Johann Wolfgang von Goethe, Der Tragödie erster Teil, 1808, Nacht, Faust mit sich allein

    Der Abschnitt „Von Talenten ist die Rede“ stammt aus dem Buch „Gleichnisse des Jesus von Nazareth“, Frank Weber, 2025, BoD


    Siehe auch:

    • Mit seinen Pfunden wuchern – hier
    • Das anvertraute Pfund – hier
  • Mit seinen Pfunden wuchern

    Mit seinen Pfunden wuchern Lk 19,12-13.16

    Der Ausdruck „mit seinen Pfunden wuchern“ geht auf das Gleichnis von Jesus Christus im Evangelium nach Lukas (Lk 19,12–13.16) zurück. Darin vertraut ein Herr seinen Dienern einen Teil seines Geldes an und fordert sie auf, damit zu arbeiten, bis er zurückkehrt.

    „Mit seinen Pfunden wuchern“ bedeutet in diesem Zusammenhang, die anvertrauten Mittel nicht ungenutzt zu lassen, sondern sie aktiv einzusetzen und zu vermehren. Der Diener, der aus einem Pfund zehn macht, erhält im Gleichnis ein Lob, weil er verantwortungsvoll gehandelt und das ihm anvertraute Gut sinnvoll genutzt hat.

    Im übertragenen Sinn steht „Pfund“ für Fähigkeiten, Talente, Zeit oder auch Möglichkeiten, die einem Menschen im Leben gegeben sind. „Wuchern“ meint hier nicht im negativen Sinne das Ausnutzen anderer, sondern das fruchtbare Arbeiten mit dem, was man besitzt. Es geht darum, die eigenen Gaben zu entfalten, weiterzuentwickeln und für sinnvolle Zwecke einzusetzen.

    Die Aussage macht deutlich, dass es im Leben nicht nur darum geht, etwas zu besitzen. Vielmehr geht es auch darum, damit etwas zu tun. Wer seine Möglichkeiten nutzt, Verantwortung übernimmt und aktiv handelt, trägt dazu bei, dass aus wenig mehr wird. Untätigkeit hingegen würde bedeuten, Potenziale ungenutzt zu lassen.

    Im heutigen Sprachgebrauch wird die Wendung oft verwendet, um Menschen zu beschreiben, die ihre Fähigkeiten gezielt einsetzen. Menschen nutzen ihre Gaben, um Chancen zu ergreifen und aus ihren Möglichkeiten das Beste zu machen. Sie erinnert daran, dass Entwicklung und Wachstum nicht von allein geschehen. Sie erfordern Engagement und Einsatz.

    Synonyme und Anregungen

    So steht „mit seinen Pfunden wuchern“ für eine Haltung der Aktivität, der Verantwortung und der Bereitschaft, die eigenen Gaben nicht brachliegen zu lassen, sondern sie bewusst und sinnvoll im Leben einzubringen.

    Menschen, die versuchen, ihre Stärken und Möglichkeiten zu nutzen, werden versuchen, das Beste aus sich herauszuholen. Und sie werden ihre Trümpfe und Vorzüge ausspielen. Dafür werden sie nach Möglichkeit aus dem Vollen schöpfen und gewinnbringend operieren. Wer mit seinen Pfunden wuchern will, wird sich von seiner besten Seite zeigen und sich optimal positionieren, um schließlich erfolgreich zu sein.


    Siehe auch:

    • Sein Pfund vergraben – hier
    • Das anvertraute Pfund – hier
  • Ein Pharisäer sein

    Ein Pharisäer sein Lk 18,11

    Der Ausdruck „ein Pharisäer sein“ geht auf die Darstellung eines Pharisäers im Gleichnis von Jesus Christus im Evangelium nach Lukas (Lk 18,11) zurück. Dort schildert Jesus einen Pharisäer, der im Gebet auftritt. Er hält sich selbst für gerecht hält, während er andere Menschen verurteilt und herabsetzt.

    In der Erzählung dankt der Pharisäer zwar Gott, aber sein Gebet ist stark von Selbstzufriedenheit geprägt. Er stellt seine eigenen Leistungen und seine vermeintliche moralische Überlegenheit in den Mittelpunkt und vergleicht sich dabei mit anderen, die er als Sünder ansieht. Dadurch verliert sein Gebet an Demut und wird eher zu einer Selbstrechtfertigung als zu einer echten Hinwendung zu Gott.

    Der Ausdruck „ein Pharisäer sein“ hat sich deshalb im Sprachgebrauch zu einer Bezeichnung für eine Haltung entwickelt, die von Selbstgerechtigkeit, Überheblichkeit und äußerlicher Frömmigkeit geprägt ist, ohne dass innere Demut oder Mitgefühl vorhanden sind. Es geht weniger um die historische Gruppe der Pharisäer, sondern um ein bestimmtes Verhalten: das eigene Gute hervorzuheben und gleichzeitig andere abzuwerten.

    Das Gleichnis macht im Vergleich mit dem Zöllner deutlich, dass es nicht auf äußere Leistungen oder das eigene Ansehen ankommt, sondern auf die innere Haltung. Der Zöllner, der seine Schuld erkennt und um Erbarmen bittet, wird im Gleichnis positiver bewertet als der selbstgerechte Pharisäer.

    So erinnert die Redewendung daran, wie wichtig Bescheidenheit, Selbstkritik und Respekt gegenüber anderen sind. Er warnt davor, sich selbst zum Maßstab aller Dinge zu machen und den Blick für die eigene Begrenztheit zu verlieren. Stattdessen lädt er dazu ein, ehrlich mit sich selbst zu sein und anderen mit Offenheit und Mitgefühl zu begegnen.


    Vom Pharisäer und dem Zöllner

    Das Gleichnis von dem Pharisäer und dem Zöllner (Lk.18,9-14) folgt auf das Gleichnis vom ungerechten Richter (Lk.18,1-8). Letzteres hat Jesus abgeschlossen mit einer Frage. Ob denn der Menschensohn bei seinem Wiederkommen Glauben finden werde auf Erden.
    Die Adressaten sind noch nicht einmal genau benannt. Es handelt sich wohl um solche, vielleicht sogar Jünger Jesu, die besonders von sich und ihrer Frömmigkeit eingenommen sind.

    Ein Pharisäer,der ein unbestreitbar frommes Leben führt, ist im Tempel erschienen, um ‚bei sich selbst‘ zu beten. Er gehört einer Gruppe von Menschen an, die für ihre gottgefällige Lebensweise bekannt sind. Bei seinem Gebet vergisst er nicht, seine gerechte Lebensweise zu schildern und sich abzugrenzen von Menschen mit weniger frommen Lebensgewohnheiten. Insbesondere von dem Zöllner, der neben ihm betet. Dieser Mensch ist sich seines Lebenswandels wohl bewusst. Er weiß, dass sein Berufsstand ihn nicht gerade beliebt macht, und dass er in den Augen seiner Mitmenschen ein Sünder ist. Vielleicht gerade deshalb betet er sehr bescheiden und bringt nur eine einzige Bitte vor Gott. „Gott, sei mir gnädig.“ Und Jesus beendet sein Gleichnis zum wiederholten Mal mit der Aussage, dass, wer sich erhöht, erniedrigt werden, und wer sich erniedrigt, erhöht werden soll.

    Sowas aber auch! Da kommst du ins Gotteshaus, setzt dich in die Bank und betest in Dank und Bitte zu deinem Gott. Du sprichst vor Gott aus, was dich beschäftigt und vertraust dich ihm an. Und du legst besonderen Wert darauf, Gott zu danken für all die Gaben, die Erfolge und dein ganzes Dasein als Familienmitglied, als erwachsener und als berufstätiger Mensch. Und dann kommt so Einer, einer von der Sorte, die du bisher selten im Gotteshaus gesehen hast, und der betet ganz kurz und bündig. Ohne jeden Versuch, angemessene Worte zu finden für das Gebet vor dem allmächtigen Gott. „Gott sei mir gnädig.“ – Eigentlich hat er ja recht. Und ich selbst weiß im Moment nicht mehr, ob ich in der richtigen Bank sitze und bete.


    Siehe auch:

    • Reden wie ein Pharisäer – hier
  • Reden wie ein Pharisäer

    Reden wie ein Pharisäer nach Lukas 18

    Wenn Menschen reden wie ein Pharisäer, dann haben wir es oft mit solchen zu tun, die Wasser predigen und selbst Wein trinken, die es mit der Wahr-haftigkeit nicht so genau nehmen und gemeinhin als Heuchler gelten. Gerne halten sie sich selber für etwas Besseres. Sie üben Kritik, ohne den gesamten Zusammenhang zu überschauen

    Die Pharisäer zur Zeit Jesu[1], „die sich anmaßten, fromm zu sein und verachteten die anderen.“ (Lk. 18,9) ,waren die stärkste religiöse Partei. Sie waren bemüht, das Erbe Israels, das Gesetz und die Lehren der Väter in Ehren zu halten und kämpften mit besonderem Eifer um die Einhaltung der reli-giösen Ordnungen bis in Kleinigkeiten des Alltags hinein. Jesus achtete ihren religiösen Ernst, kritisierte jedoch das kleinliche Streben nach formeller Korrektheit in der Einhaltung der unzähligen Gesetzesvorschriften und dafür, dass sie sich für etwas Besseres hielten. Trotzdem pflegte er regen Umgang mit ihnen, saß mit ihnen zu Tisch, aß und stritt mit ihnen. In den Erzählungen des Neuen Testaments kommen die Pharisäer nicht so gut weg, vermutlich weil die Schreiber der Evangelien, um sich abzugrenzen, recht tendenziös – nennen wir’s mal so – über diese fromme Gruppierung berichteten, deren Traditionen übrigens als einzige der jüdischen Strömungen überlebten und seit 70 n.Chr. das Denken des Judentums prägten[2].

    [1] Aus „Wer’s glaubt wird selig“, G.Wagner, S. 102, [2] Nach: Sacherklärungen, Stuttgarter Erklärungsbibel, „Pharisäer“


    Ein Pharisäer sein

    Der Ausdruck „ein Pharisäer sein“ geht auf die Darstellung eines Pharisäers im Gleichnis von Jesus Christus im Evangelium nach Lukas (Lk 18,11) zurück. Dort schildert Jesus einen Pharisäer, der im Gebet auftritt. Er hält sich selbst für gerecht hält, während er andere Menschen verurteilt und herabsetzt.

    In der Erzählung dankt der Pharisäer zwar Gott, aber sein Gebet ist stark von Selbstzufriedenheit geprägt. Er stellt seine eigenen Leistungen und seine vermeintliche moralische Überlegenheit in den Mittelpunkt. Und er vergleicht sich dabei mit anderen, die er als Sünder ansieht. Dadurch verliert sein Gebet an Demut und wird eher zu einer Selbstrechtfertigung als zu einer echten Hinwendung zu Gott.

    Der Ausdruck „ein Pharisäer sein“ hat sich deshalb im Sprachgebrauch zu einer Bezeichnung für eine Haltung entwickelt, die von Selbstgerechtigkeit, Überheblichkeit und äußerlicher Frömmigkeit geprägt ist, ohne dass innere Demut oder Mitgefühl vorhanden sind. Es geht weniger um die historische Gruppe der Pharisäer, sondern um ein bestimmtes Verhalten: das eigene Gute hervorzuheben und gleichzeitig andere abzuwerten.

    Das Gleichnis macht im Vergleich mit dem Zöllner deutlich, dass es nicht auf äußere Leistungen oder das eigene Ansehen ankommt, sondern auf die innere Haltung. Der Zöllner, der seine Schuld erkennt und um Erbarmen bittet, wird im Gleichnis positiver bewertet als der selbstgerechte Pharisäer.

    So erinnert der Ausdruck „ein Pharisäer sein“ daran, wie wichtig Bescheidenheit, Selbstkritik und Respekt gegenüber anderen sind. Er warnt davor, sich selbst zum Maßstab aller Dinge zu machen und den Blick für die eigene Begrenztheit zu verlieren. Stattdessen lädt er dazu ein, ehrlich mit sich selbst zu sein und anderen mit Offenheit und Mitgefühl zu begegnen.


    Siehe auch:

    • Ein Pharisäer sein – hier
  • Von Pontius zu Pilatus schicken

    Von Pontius zu Pilatus schicken Lk. 23,11

    Der Ausdruck „von Pontius zu Pilatus schicken“ geht auf die Passionsgeschichte von Jesus Christus zurück, wie sie im Evangelium nach Lukas (Lk 23) überliefert ist. Darin wird berichtet, dass Jesus im Rahmen seines Verhörs zwischen verschiedenen Zuständigkeiten hin- und hergeschoben wird. Zunächst wird er von den religiösen Autoritäten vernommen und anschließend an den römischen Statthalter Pontius Pilatus überstellt.

    In der weiteren Erzählung kommt es zu einem erneuten Weiterverweisen, als Pilatus erkennt, dass Jesus aus Galiläa stammt und somit eigentlich unter die Zuständigkeit des Herodes fällt. So schickt man Jesus von einer Instanz zur nächsten, ohne dass eine klare Entscheidung fällt. Dieses Hin- und Herschieben ersetzt ein klares Urteil durch ein Ausweichen vor Verantwortung.

    Im heutigen Sprachgebrauch beschreibt die Redewendung „von Pontius zu Pilatus schicken“ genau dieses Verhalten. Jemand wird von einer Stelle zur nächsten verwiesen, ohne dass ein Problem tatsächlich gelöst oder eine Entscheidung getroffen wird. Oft entsteht dabei Frustration, weil Verantwortlichkeiten unklar bleiben oder niemand sich zuständig fühlt.

    Der Ausdruck macht damit ein typisches menschliches Verhalten sichtbar, das auch unabhängig vom historischen Kontext vorkommt. Das Abwälzen von Verantwortung und das Vermeiden einer direkten Entscheidung. Statt sich einer Aufgabe zu stellen, wird sie weitergereicht, in der Hoffnung, dass jemand anderes sie übernimmt.

    So erinnert die Redewendung indirekt an die Passionsgeschichte und zugleich daran, wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen und Klarheit in Zuständigkeiten zu schaffen, damit Anliegen nicht zwischen verschiedenen Instanzen „verloren gehen“.

    Kennen Sie das?

    Das kann dem Antragsteller im Behördendschungel oder dem Auftraggeber und Kunden bei mehreren Auftragnehmern passieren. Es findet sich einfach kein Ansprechpartner, und es will partout keiner zuständig sein. Die Kunden laufen sich einen Wolf oder gleich auch noch die Hacken ab, alle Befragten wimmeln ab und verweisen von einer Instanz zur nächsten. Man wird von Hinz nach Kunz und ständig im Kreis herumgeschickt. – Nur leider löst sich weder das eine noch das andere Problem von selbst.

  • Von den Dächern predigen

    Von den Dächern predigen Matthäus 10,27; Lukas 12,3

    Der Ausdruck „von den Dächern predigen“ geht zurück auf die Worte von Jesus. Nachzulesen in den Evangelien nach Matthäus (Mt 10,27) und Lukas (Lk 12,3). Dort fordert Jesus seine Jünger auf, das, was ihnen im Verborgenen gesagt wurde, offen und öffentlich weiterzugeben.

    Im damaligen Kontext bedeutet die Formulierung, dass eine Botschaft nicht im Geheimen bleiben soll, sondern sichtbar und hörbar für alle verkündet wird. „Von den Dächern“ ist dabei bildhaft zu verstehen. Dächer waren in der Antike geeignete Orte, um sich bemerkbar zu machen und von vielen Menschen wahrgenommen zu werden. Die Aussage unterstreicht also die Offenheit und Öffentlichkeit der Verkündigung.

    Im übertragenen Sinn wird die Redewendung heute verwendet, wenn jemand etwas sehr deutlich, laut und für alle zugänglich mitteilt. Das kann etwa eine Botschaft, eine Meinung oder eine Information sein, die nicht verborgen bleiben soll. Es geht dabei um Transparenz, Klarheit und den Mut, Dinge öffentlich auszusprechen.

    Der Gedanke hinter der Aussage ist, dass Wahrheit und wichtige Inhalte nicht im Verborgenen gehalten werden sollen, sondern ihren Weg in die Öffentlichkeit finden. Gleichzeitig schwingt eine Verantwortung mit. Wer „von den Dächern predigt“, sollte sich der Wirkung seiner Worte bewusst sein, da sie viele Menschen erreichen können.

    So verbindet die Redewendung die biblische Aufforderung zur offenen Verkündigung mit einer allgemeinen Einsicht in die Bedeutung von Klarheit, Mut und öffentlicher Kommunikation im menschlichen Zusammenleben.

    Das Bild dahinter

    In biblischer Zeit hatten Häuser flache Dächer, die leicht zu erreichen waren. Von dort oben konnte man Dinge für das ganze Dorf bekannt machen. Damit wird also eine Nachricht öffentlich und publikumswirksam, für jedermann hörbar verbreitet. In einem ähnlichen Sprichwort heißt es: „Die Spatzen pfeifen es von den Dächern“. Es bliebt dann nicht dabei, dass Dinge weitererzählt oder ausgeplaudert werden, es muss breitgetreten und rausposaunt werden, dass es auch jeder hört.

    Jesus fordert seine Jünger auf, seine Lehre unters Volk zu bringen und von den Dächern zu predigen. Wenn Menschen sich einem Gegenüber anvertrauen, dann möchten sie das gerade nicht, dass der andere die an vertraute Information von den Dächern predigt und jeder andere es hören kann.

  • Der Prophet gilt nichts im eigenen Land

    Der Prophet gilt nichts im eigenen Land
    Mt. 13,57; Markus 6,4; Lukas 4,24

    Der Satz „Der Prophet gilt nichts im eigenen Land“ geht auf Worte von Jesus von Nazareth zurück. Diese sind in den Evangelien von Matthäus (Mt 13,57), Markus (Mk 6,4) und Lukas (Lk 4,24) überliefert. In den Texten weist Jesus darauf hin, dass ein Prophet oft gerade dort wenig Anerkennung findet, wo er herkommt.

    Im jeweiligen Kontext wird beschrieben, dass Menschen, die Jesus aus seiner Heimat kennen, Schwierigkeiten haben, ihn als besonderen Boten Gottes anzunehmen. Sie sehen vor allem den „vertrauten“ Menschen aus ihrer Umgebung. Damit tun sie sich schwer, seine besondere Autorität und Sendung zu erkennen. Nähe und Gewöhnung können so dazu führen, dass das Außergewöhnliche übersehen oder unterschätzt wird.

    Die Redewendung beschreibt daher ein allgemeines menschliches Phänomen. Wer zu nah an einer Person oder Sache ist, nimmt deren Besonderheit oft nicht mehr wahr. Vertrautheit kann Respekt mindern, und persönliche Vorprägungen können den Blick auf das Wesentliche verstellen. Dadurch wird es schwierig, neue Perspektiven anzuerkennen oder ungewohnte Autorität zu akzeptieren.

    Im übertragenen Sinn findet der Satz heute Verwendung, wenn jemand in seiner eigenen Umgebung oder bei vertrauten Menschen weniger Anerkennung findet als anderswo. Oft zeigt sich dabei, dass externe Perspektiven oder Distanz helfen können, Leistungen oder Qualitäten klarer zu erkennen und wertzuschätzen.

    So erinnert die Aussage daran, wie wichtig Offenheit im Denken ist und wie leicht es geschieht, dass man das Besondere im Vertrauten übersieht. Sie lädt dazu ein, Menschen und ihre Fähigkeiten nicht vorschnell zu beurteilen, sondern mit einem offenen Blick wahrzunehmen – unabhängig davon, woher sie kommen.


    Allzumenschliches

    Nach dem lateinischen Satz Nemo propheta in patria (sua)gilt: Niemand ist ein Prophet im eigenen Vaterland.

    Eine andere Sicht führt zu der Aussage, dass der Schuster die schlechtesten Leisten hat. Das heißt, für Kunden und für Fremde erbringt man hochwertige Leistungen. Eigene (oft auch familiären) Belange werden aber vernachlässigt.
    Der Satz „das eigene Kind wird ncht anerkannt“ ist eine bildhafte Umschreibung dafür, dass die eigene Leistung im privaten Umfeld oft nicht dargestellt und auch nciht gewürdigt wird.

  • Unter die Räuber fallen

    „Unter die Räuber fallen“ (Lukas 10,25–37)

    Der Ausdruck „unter die Räuber fallen“ stammt aus dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Die Bibel erzählt hier von einem Menschen, der auf seinem Weg überfallen, ausgeraubt und schwer verletzt liegen gelassen wird. Dieses Bild steht nicht nur für ein damaliges Ereignis, sondern für eine Erfahrung, die bis heute aktuell ist: Menschen geraten in Situationen, in denen sie hilflos, verletzt oder ausgeliefert sind.

    „Unter die Räuber fallen“ kann daher auch im übertragenen Sinn verstanden werden. Es beschreibt Momente im Leben, in denen jemand plötzlich aus der Bahn geworfen wird – durch Ungerechtigkeit, Krankheit, Verlust oder das Verhalten anderer. Solche Erfahrungen hinterlassen oft nicht nur äußere, sondern auch innere Wunden.

    Im Gleichnis ist jedoch nicht nur das Leid entscheidend, sondern vor allem die Reaktion der anderen. Einige gehen vorüber, sehen weg und lassen den Verletzten liegen. Doch ein Fremder bleibt stehen, lässt sich berühren und hilft – ohne zu fragen, wer der andere ist oder ob es sich „lohnt“. Gerade darin liegt die zentrale Botschaft: Menschlichkeit zeigt sich im Handeln.

    Der Satz fordert dazu heraus, aufmerksam zu sein für die „Verletzten am Wegesrand“ unserer Zeit. Wer ist heute in Not? Wer braucht Hilfe, Verständnis oder einfach jemanden, der nicht vorbeigeht? Es geht darum, nicht gleichgültig zu bleiben, sondern Mitgefühl in konkretes Tun zu verwandeln.

    „Unter die Räuber fallen“ wird damit zu einem Spiegel des Lebens – und zugleich zu einem Aufruf. Nicht nur das Leid zu sehen, sondern selbst zu dem Menschen zu werden, der anhält, hilft und Hoffnung schenkt.


    Von Jerusalem nach Jericho

    Wie sehen wir die Geschichte, wenn die Räuber gar keine Verbrecherbande, sondern eigene Dämonen und Gedanken, Kritik und Selbstanklage sind. Der Mensch geht von der Tempelstadt Jerusalem, der „Stadt des Friedens“, hinab nach Jericho, der „Stadt des Mondes“. –

    Jericho bezeichnet sich selbst als älteste Stadt der Welt. Es ist aber auch die am tiefsten gelegene Stadt weltweit und liegt ca. 250 m tiefer als der Meeresspiegel. Jerusalem liegt etwa 30 Kilometer entfernt auf einer Höhe von 750 bis 800 m über NN und damit etwa 1.000 Meter höher als Jericho. Man muss eine steile Straße hinauf, und die gilt als sehr gefährlich wegen der dort anzutreffenden Räuber und Wegelagerer .

    Herodes ließ dort, in Jericho u.a. wegen des angenehmen Winterklimas prunkvolle Palastanlagen bauen, die die bereits bestehenden Paläste der Vorgänger noch übertrafen.

    Kann es wohl sein, dass unser Wanderer, der da von Jerusalem, der Stadt des Friedens, in die Niederungen Jerichos hinabsteigt (Ja, es lebe das Klischee), eingeholt wird vom schlechten Gewissen, von trüben Gedanken und Ängsten, so dass er am Ende völlig erschöpft, desorientiert und bewegungsunfähig am Wegesrand sitzenbleibt, bis ein anteilnehmender Mensch ihm ein offenes Ohr leiht, die Hand reicht und ihm so wieder auf die Beine hilft? – Wie lesen wir das Gleichnis dann?

    Unheil und Auswege

    Im täglichen Leben werden es nicht oder nicht immer die großen Katastrophen sein, die uns stolpern machen oder erschöpft am Straßenrand sitzen lassen, sondern vielmehr die Kleinigkeiten, die sich aufstauen und zu Energiefressern werden, die den Blick vernebeln, die Kraft und Freude rauben. Manchmal geschieht es, dass man einen Menschen trifft, der zum persönlichen Samariter wird, mit dem man sonst niemals an einem Tisch gesessen oder auch nur ein Wort gewechselt hätte. Und doch, wenn das erste Wort gesprochen ist und „es passt“, entwickelt sich auf einmal ein vertrautes Gespräch, unbelastet von Erwartungen und Erfahrungen, die bei miteinander schon länger bekannten Menschen immer mitschwingen. Ein solches Gespräch kann durchaus neue Sichtweisen und Denkansätze – wenn nicht gar Ideen für Lösungswege – liefern.

    „Von Jerusalem nach Jericho“ und „Unheil und Auswege“ aus Gleichnisse des Jesus von Nazareth, Frank Weber, BoD, 2025

  • Ein barmherziger Samariter sein

    Ein barmherziger Samariter sein im Evangelium nach Lukas 10,30-37

    Der barmherzige Samariter ist zu einem geflügelten Wort geworden. Mit dem Gleichnis fordert Jesu dazu auf, es dem Menschen aus der Landschaft Samaria gleichzutun, der einem Überfallenen hilft, der halbtot am Straßenrand liegt. Israeliten verachten die Samariter, die den Tempel als einzigen Kultort ab-lehnen und eigene Opferstätten bevorzugen. Dass gerade das Verhalten eines Samariters von Jesus als vorbildlich dargestellt wird, ist eine Provokation.

    „Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte es ihn;“ (Lk 10,33)  – Der barmherzige Samariter gilt seither als Bild für selbstlose Nächstenliebe.

    Nach „Wer‘s glaubt, wird selig.“, G. Wagner, S. 101

    Samaritaner

    Samaritaner sind eine nicht sehr angesehene Nachbarschaft. – Nach dem Ende des Nordreiches im Jahr 722 v.Chr. werden viele Juden deportiert, andere bleiben in Samaria, und die siegreichen Assyrer siedeln zudem fremde Bevölkerung in Samaria an. Nach Rückkehr der Exilanten gelten die Samaritaner, die in der Heimat geblieben sind, als Mischvolk und als kultisch unrein. Die Ausgrenzung der Samaritaner durch die Rückkehrer aus dem Exil führt zur Errichtung eines eigenen Tempels auf dem Berg Garizim . – Auf die Frage Jesu, wer dem Unglücklichen denn nun der Nächste gewesen sei, ist es dem Gelehrten nicht möglich, den „Samariter“ auch nur auszusprechen. 

    So einer, ein Samaritaner kann unmöglich als Vorbild gelten, der kann nicht den Helfer geben. – Doch, kann er! Und wie! – Der Samaritaner bemerkt den Verunglückten am Straßenrand, versorgt ihn und bringt ihn in eine Herberge in Sicherheit. Für die Versorgung des Patienten leistet der Samaritaner Vorkasse und verspricht, bei seiner Rückreise vorbeizukommen um auch noch eventuelle Mehrkosten zu bezahlen.

    Aus „Gleichnisse des Jesus von Nazareth“, Frank Weber, BoD 2025

    *

    Nochmal frei nacherzählt

    Ein Theologe fragt Jesus, welche Gebote er halten müssen, um das ewige Leben zu erhalten. Jesu gibt die Frage zurück und der Gelehrte antwortet, die Schlüsselgebote seien, Gott und unsere Nächsten zu lieben .– Doch was ist im Gesetz mit „Nächster“ gemeint? Wo verläuft der Trennstrich zwischen Freunden und Fremden? Als Antwort auf diese Fragen erzählt Jesus von einem Menschen, der auf der gefährliche  Straße von Jerusalem nach Jericho niedergeschlagen und ausgeraubt wird. Zwei Juden – Priester und Levit – ver-weigern ihm ihre Hilfe, weil ihre religiösen Pflichten im Jerusalemer Tempel ihnen keine Möglichkeit bieten. Viele andere gehen vorüber. Ein Samaritaner, ein Angehöriger einer heidnisch-jüdischen Mischreligion, nimmt sich endlich des Unglücklichen an. –

    Wer ist der Nächste? Der Priester? Der Gelehrte? Etwa der Samaritaner? Oder wer gerade meine Hilfe braucht? – Jesus dreht die Frage um: Nicht „wer ist mein Nächster?“ Sondern vielmehr: „Wem bin ich der Nächste?“

    Der Gelehrte will anfangs wissen, wer sein Nächster sei. Am Ende des Gleichnisses fragt Jesus, wer als Nächster gehandelt habe. Die Frage lautet jetzt: „Wem kann ich, wem will ich Nächster sein?“ – Und am Schluss steht die Aufforderung: „Dann geh, und handle ebenso!“

    Aus „Gleichnisse des Jesus von Nazareth“, Frank Weber, BoD 2025

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    „Ein barmherziger Samariter sein“ (Lukas 10,30–37)

    Der Ausdruck „ein barmherziger Samariter sein“ stammt aus dem Gleichnis im Bibel, wie es im Evangelium nach Lukas 10,30–37 erzählt wird. In dieser Geschichte beschreibt Jesus einen Mann, der auf dem Weg überfallen und schwer verletzt liegen gelassen wird. Während andere vorbeigehen, bleibt ein Samariter stehen, hilft ihm und kümmert sich um seine Versorgung.

    Der Samariter gehört zu einer Gruppe, die damals von vielen Juden als fremd oder sogar feindlich betrachtet wurde. Gerade deshalb ist seine Handlung besonders bedeutsam: Er lässt sich nicht von Herkunft, Vorurteilen oder gesellschaftlichen Grenzen leiten, sondern von Mitgefühl und Menschlichkeit. Er sieht die Not des anderen und handelt, ohne nach Gründen zu suchen, warum er nicht helfen sollte.

    Ein „barmherziger Samariter sein“ bedeutet daher, aufmerksam für die Bedürfnisse anderer zu sein und nicht wegzuschauen, wenn jemand Hilfe braucht. Es geht darum, Mitgefühl in konkretes Handeln umzusetzen – sei es durch Zeit, Unterstützung oder einfach durch ein offenes Ohr. Entscheidend ist nicht, wer der andere ist, sondern dass er in Not ist.

    Das Gleichnis stellt damit eine zentrale Frage: Wer ist mein Nächster? Die Antwort wird nicht abstrakt gegeben, sondern praktisch gezeigt: Nächstenliebe zeigt sich im Tun. Der Samariter wird zum Vorbild dafür, wie Barmherzigkeit im Alltag gelebt werden kann.

    „Ein barmherziger Samariter sein“ ist eine Einladung, über eigene Grenzen hinauszublicken und anderen aktiv beizustehen. Es ist ein Aufruf, Mitgefühl nicht nur zu empfinden, sondern es durch konkretes Handeln sichtbar werden zu lassen.

  • Sein Scherflein beisteuern

    „Sein Scherflein beisteuern“ (Markus 12,41–44; Lukas 21,2)

    Der Ausdruck „sein Scherflein beisteuern“ stammt aus der Bibel. Er geht auf die Beobachtung zurück, die Jesus von Nazareth im Tempel macht (Markus 12,41–44; Lukas 21,2). Dort sieht er, wie Menschen Geld in den Opferkasten legen, darunter auch eine arme Witwe, die nur zwei kleine Münzen gibt – sogenannte Scherflein.

    Im Vergleich zu den großen Spenden anderer wirkt ihr Beitrag unbedeutend gering. Doch Jesus hebt gerade diese Gabe hervor und bewertet sie nicht nach ihrem materiellen Wert. Er verweist auf die innere Haltung, mit der sie gegeben wird. Die Witwe gibt „alles, was sie zum Leben hat“, und zeigt damit Vertrauen, Hingabe und Großzügigkeit.

    Der Ausdruck „sein Scherflein beisteuern“ hat sich daraus als Redewendung entwickelt und bedeutet heute, einen kleinen, aber dennoch wichtigen Beitrag zu einer gemeinsamen Sache zu leisten. Dabei steht nicht die Größe des Beitrags im Vordergrund, sondern die Bereitschaft, sich einzubringen.

    Keine Hilfe ist zu klein

    Die zugrunde liegende Botschaft macht deutlich, dass auch scheinbar kleine Beiträge Bedeutung haben können. In Gemeinschaften, Projekten oder im gesellschaftlichen Zusammenleben kommt es nicht nur auf große Leistungen an, sondern ebenso auf viele kleine Beiträge, die zusammen etwas bewirken.

    Gleichzeitig erinnert die Geschichte daran, dass die Bewertung von Leistungen nicht allein nach äußeren Maßstäben erfolgen sollte. Vielmehr zählen auch Motivation, Einsatzbereitschaft und die persönliche Haltung. Ein kleiner Beitrag kann in seiner Wirkung und Bedeutung größer sein, als er auf den ersten Blick erscheint.

    „Sein Scherflein beisteuern“ steht für die Idee, dass jeder Mensch – unabhängig von den eigenen Möglichkeiten – etwas zum Ganzen beitragen kann, und dass selbst kleine Gaben wertvoll sind, wenn sie mit Einsatz und Überzeugung gegeben werden.

    Manche Menschen würden ihr letztes Hemd hergeben, um Aktionen oder Personen zu unterstützen. Und andere entrichten gerne ihren Obolus als kleinen finanziellen Beitrag, um Dinge möglich zu machen oder zu erhalten. Vielerorts und fast überall gibts genügend Gelegenheiten, wo tatkräftige Unterstützung und Mitwirken in jeglicher Form gern gesehen ist und dankbar angenommen wird.

  • Der Schlüssel der Erkenntnis

    „Der Schlüssel der Erkenntnis“ (Lukas 11,52)

    In Lukas 11,52 spricht Jesus die Schriftgelehrten mit ernsten Worten an: „Weh euch Schriftgelehrten! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen und habt gehindert, die hineingehen wollten.“ Mit dem Ausdruck „der Schlüssel der Erkenntnis“ beschreibt Jesus den Zugang zur Wahrheit Gottes. Ein Schlüssel öffnet Türen und ermöglicht den Eintritt in einen Raum. Genauso soll wahre Erkenntnis den Menschen den Zugang zu Gott und zu seinem Willen eröffnen.

    Die Schriftgelehrten waren zur Zeit Jesu angesehene Lehrer des Gesetzes. Sie kannten die Heiligen Schriften genau und hatten die Aufgabe, dem Volk Gottes Gebote zu erklären. Eigentlich sollten sie den Menschen helfen, Gottes Wahrheit zu verstehen. Doch Jesus wirft ihnen vor, dass sie ihre Aufgabe verfehlt haben. Statt den Menschen den Weg zu Gott zu zeigen, machten sie ihn durch komplizierte Vorschriften und falsche Auslegung schwerer.

    Der „Schlüssel der Erkenntnis“ steht deshalb für das richtige Verständnis von Gottes Wort. Erkenntnis bedeutet hier nicht nur Wissen oder Bildung, sondern wahre Einsicht in Gottes Willen. Jesus kritisiert, dass die Schriftgelehrten zwar viel Wissen besaßen, aber den eigentlichen Sinn von Gottes Geboten nicht verstanden oder verborgen hielten.

    Besonders schwer wiegt der Vorwurf, dass sie nicht nur selbst den Zugang zu Gott verpassten, sondern auch andere daran hinderten. Menschen suchten nach Wahrheit und Orientierung, wurden jedoch durch Stolz, falsche Lehren oder menschliche Traditionen verwirrt. Damit verschlossen die Schriftgelehrten gewissermaßen die Tür zur Erkenntnis.

    Auch heute ist diese Botschaft aktuell. Wissen allein genügt nicht, wenn Weisheit, Liebe und Wahrheit fehlen. Menschen können viele Informationen besitzen und dennoch den eigentlichen Sinn des Lebens verfehlen. Der „Schlüssel der Erkenntnis“ bedeutet deshalb mehr als bloßes Lernen. Er meint die Fähigkeit, Wahrheit zu erkennen und danach zu leben.

    Der Ausdruck erinnert außerdem daran, wie groß die Verantwortung von Lehrern, Predigern und anderen Menschen ist, die Wissen weitergeben. Wer anderen Orientierung gibt, soll ehrlich, verantwortungsvoll und hilfreich handeln. Falsche Informationen, Machtmissbrauch oder bewusste Irreführung können Menschen großen Schaden zufügen.

    Für Christen ist Jesus selbst der wahre Schlüssel zur Erkenntnis Gottes. Durch seine Worte und sein Leben zeigt er den Menschen Gottes Liebe und Wahrheit. Jesus machte Gottes Botschaft nicht kompliziert oder unverständlich, sondern sprach so, dass einfache Menschen ihn verstehen konnten. Er zeigte, dass wahre Erkenntnis immer mit Liebe, Demut und Glauben verbunden ist.

    Die Worte Jesu warnen außerdem vor Stolz und Selbstgerechtigkeit. Die Schriftgelehrten glaubten, besonders viel zu wissen, verschlossen sich aber der Wahrheit Jesu. Menschen können viel Wissen besitzen und trotzdem blind für das Wesentliche bleiben. Wahre Erkenntnis verlangt Offenheit, Demut und die Bereitschaft zu lernen.

    Auch in der heutigen Welt suchen viele Menschen nach Orientierung und Wahrheit. Es gibt unzählige Informationen, Meinungen und Ideologien. Gerade deshalb bleibt die Frage wichtig, was Menschen wirklich weiterhilft und ihnen den Weg zu einem guten Leben zeigt. Der „Schlüssel der Erkenntnis“ steht für Wahrheit, Weisheit und den Zugang zu Gott.

    „Der Schlüssel der Erkenntnis“ in Lukas 11,52 erwirkt den Zugang zur Wahrheit Gottes. Jesus wirft den Schriftgelehrten vor, diesen Zugang verschlossen zu haben, statt Menschen zu helfen. Die Bibel macht deutlich, dass wahre Erkenntnis mehr ist als bloßes Wissen. Sie führt zu Gott, zu Liebe und zu einem verantwortungsvollen Leben. Der Ausdruck erinnert bis heute daran, wie wichtig ehrliche Wahrheitssuche und verantwortungsvolle Weitergabe von Wissen sind.

  • Nicht wert sein einem die Schuhriemen zu lösen

    „Nicht wert sein, einem die Schuhriemen zu lösen“ (Markus 1,7; Lukas 3,16; Johannes 1,27; Apostelgeschichte 13,25)

    Der Ausdruck „nicht wert sein, einem die Schuhriemen zu lösen“ stammt aus der Bibel und findet in mehreren Evangelien mit Bezug auf Johannes den Täufer Verwendung. Er beschreibt seine Haltung gegenüber Jesus von Nazareth und drückt große Ehrfurcht und Demut aus.

    In der damaligen Zeit war das Lösen der Schuhriemen eine Aufgabe von Dienern oder Sklaven. Wer diese Tätigkeit ausführte, nahm eine sehr niedrige Stellung ein. Wenn Johannes der Täufer sagt, dass er nicht einmal würdig sei, diese Aufgabe zu übernehmen, bringt er damit zum Ausdruck, wie gering er sich im Vergleich zu dem sieht, auf den er hinweist.

    Der Satz unterstreicht die besondere Bedeutung dessen, auf den sich Johannes bezieht. Seine Aussage ist keine Selbstabwertung im negativen Sinn, sondern eine bewusste Einordnung seiner eigenen Rolle. Er versteht sich als jemand, der den Weg bereitet, aber nicht selbst im Mittelpunkt steht.

    Bescheidenheit und Demut

    Gleichzeitig vermittelt der Ausdruck eine Haltung der Bescheidenheit. Johannes erkennt an, dass seine Aufgabe wichtig ist. Aber er ordnet sie einer größeren Wirklichkeit unter. Diese Perspektive zeigt, dass Größe nicht nur in Macht oder Stellung liegt. Sie liegt auch in der Fähigkeit, sich selbst zurückzunehmen.

    Im übertragenen Sinn wird der Ausdruck heute verwendet, um eine besonders hohe Achtung oder ein starkes Gefälle in der Wertschätzung auszudrücken. Er kann verdeutlichen, dass jemand sich selbst als deutlich untergeordnet oder weniger bedeutend im Vergleich zu einer anderen Person oder Aufgabe sieht.

    „Nicht wert sein, einem die Schuhriemen zu lösen“ steht somit für Demut und Ehrfurcht. Es zeigt auch die klare Einsicht in die eigene Rolle im Verhältnis zu etwas, das als größer oder bedeutender angesehen wird. Der Ausdruck ist damit etwa eine Geste, die Unterlegenheit und eher geringe Wertschätzung ausdrückt.

    Ähnliche abwertend klingen Aussagen wie „nicht das Wasser reichen können„, „daneben stehen wie ein kleiner Schuljunge„, „nicht in einem Atemzug zu nennen sein“ oder „das Weihwasser nicht wert sein„.

  • Nun hat die arme Seele Ruh

    „Nun hat die arme Seele Ruh.“ (Lukas 12,19)

    Der Ausdruck „Nun hat die arme Seele Ruh“ wird oft verwendet, wenn ein Mensch nach Mühe, Sorgen oder Leiden endlich Frieden gefunden hat. Die Redewendung steht in Verbindung mit Lukas 12,19, wo Jesus das Gleichnis vom reichen Kornbauern erzählt. Dort spricht der reiche Mann zu sich selbst: „Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat auf viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut.“ Doch Jesus macht deutlich, dass dieser Mensch sich in falscher Sicherheit wiegt, denn noch in derselben Nacht endet sein Leben. Dadurch erhält die Vorstellung von Ruhe eine tiefere Bedeutung.

    Im Gleichnis geht es um einen reichen Bauern, dessen Felder eine besonders große Ernte eingebracht haben. Weil seine Scheunen zu klein geworden sind, beschließt er, größere zu bauen, um seinen ganzen Besitz zu lagern. Danach glaubt er, endlich sorgenfrei leben zu können. Seine Worte zeigen, dass er sein Vertrauen ganz auf materiellen Reichtum setzt. Er denkt, nun sei seine Zukunft gesichert und seine Seele könne Ruhe finden.

    Doch Gott spricht zu ihm: „Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern.“ Damit macht Jesus deutlich, dass äußerer Reichtum keine wirkliche Sicherheit geben kann. Das Leben des Menschen liegt nicht allein in seiner eigenen Hand. Besitz und Wohlstand sind vergänglich. Wahre Ruhe für die Seele entsteht nicht durch Reichtum oder Genuss allein.

    Die Redewendung „Nun hat die arme Seele Ruh“ wird heute häufig im Zusammenhang mit Tod und Erlösung von Leiden verwendet. Oft sagt man diesen Satz, wenn ein Mensch nach schwerer Krankheit oder langen Sorgen gestorben ist. Dann meint man, dass der Verstorbene nun Frieden gefunden hat. Der Ausdruck enthält Mitgefühl und den Wunsch nach endgültiger Ruhe.

    Die Bibel versteht unter der Ruhe der Seele jedoch mehr als nur das Ende von Arbeit oder Leid. Wahre Ruhe bedeutet inneren Frieden, Vertrauen auf Gott und Freiheit von Angst und Sorgen. Jesus spricht an anderer Stelle: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Damit zeigt er, dass Menschen ihre tiefste Ruhe nicht in Besitz oder Erfolg finden, sondern in Gottes Nähe.

    Auch heute suchen viele Menschen nach Ruhe und Zufriedenheit. Das Leben ist oft von Hektik, Leistungsdruck und Sorgen geprägt. Viele hoffen, irgendwann genug erreicht zu haben, um endlich Ruhe zu finden. Doch häufig zeigt sich, dass äußerer Erfolg allein die innere Sehnsucht des Menschen nicht stillt.

    Das Gleichnis vom reichen Kornbauern warnt davor, das ganze Leben nur auf materiellen Besitz auszurichten. Geld und Wohlstand können hilfreich sein, geben aber keine endgültige Sicherheit. Menschen brauchen mehr als äußeren Reichtum: Sie brauchen Sinn, Liebe, Gemeinschaft und Hoffnung.

    Die Worte „Nun hat die arme Seele Ruh“ erinnern außerdem an die Vergänglichkeit des Lebens. Kein Mensch kann sein Leben vollständig kontrollieren oder unbegrenzt absichern. Deshalb ruft Jesus dazu auf, nicht nur für den äußeren Besitz zu sorgen, sondern auch für die Seele und die Beziehung zu Gott.

    Für Christen liegt die wahre Ruhe letztlich in Gottes Frieden. Dieser Friede trägt auch durch Leid, Krankheit und Unsicherheit hindurch. Der Glaube schenkt Hoffnung darauf, dass der Mensch bei Gott endgültige Ruhe und Geborgenheit finden darf.

    „Nun hat die arme Seele Ruh“ beschreibt den Wunsch nach Frieden und Erlösung von Sorgen und Leid. Das Gleichnis in Lukas 12,19 zeigt jedoch, dass wahre Ruhe nicht allein durch Reichtum oder äußere Sicherheit entsteht. Die Bibel erinnert daran, dass der Mensch inneren Frieden nur findet, wenn er sein Vertrauen nicht auf vergängliche Dinge, sondern auf Gott setzt. So bleibt die Redewendung bis heute Ausdruck der Sehnsucht nach echter Ruhe für die Seele.

  • Der verlorene Sohn sein

    „Der verlorene Sohn sein“ (Lukas 15,23–24)

    Die Redewendung „der verlorene Sohn“ gehört zu den bekanntesten Bildern der Bibel. Sie stammt aus dem Gleichnis Jesu in Lukas 15,11–32 und wird bis heute verwendet, wenn jemand nach langer Abwesenheit, nach einem Irrweg oder nach einer Zeit der Entfremdung zurückkehrt. Der Ausdruck beschreibt nicht nur einen Menschen, der sich verirrt oder von seiner Familie entfernt hat, sondern vor allem jemanden, der wieder angenommen und willkommen geheißen wird.

    Im Gleichnis erzählt Jesus von einem Mann mit zwei Söhnen. Der jüngere Sohn fordert von seinem Vater vorzeitig seinen Erbteil und verlässt das Elternhaus. Er zieht in ein fernes Land und verschwendet dort sein Vermögen in einem ausschweifenden Leben. Als eine Hungersnot ausbricht, gerät er in große Not. Schließlich muss er Schweine hüten und leidet selbst Hunger. In seiner Verzweiflung erkennt er seinen Fehler und beschließt, zu seinem Vater zurückzukehren.

    Der Sohn rechnet damit, als Tagelöhner aufgenommen zu werden, denn er fühlt sich nicht mehr würdig, Sohn genannt zu werden. Doch als er nach Hause kommt, geschieht etwas Unerwartetes. Sein Vater sieht ihn schon von Weitem, läuft ihm entgegen, umarmt ihn und nimmt ihn voller Freude wieder auf. Er lässt ein Festmahl ausrichten und sagt die berühmten Worte: „Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden.“ (Lukas 15,24)

    Das Gleichnis gehört zu den eindrucksvollsten Geschichten Jesu. Es zeigt die unermessliche Liebe und Barmherzigkeit Gottes. Der Vater steht sinnbildlich für Gott, der den Menschen auch dann nicht aufgibt, wenn er sich von ihm entfernt hat. Die Freude über die Rückkehr des Sohnes macht deutlich, dass Umkehr und Neuanfang immer möglich sind.

    Die Redewendung „der verlorene Sohn“ findet heute oft Verwendung, wenn jemand nach langer Zeit zurückkehrt. Das kann ein Familienmitglied sein, das sich von seinen Angehörigen entfremdet hatte, oder ein Mensch, der nach Fehlern und Irrwegen wieder den richtigen Weg findet. Häufig schwingt dabei die Hoffnung mit, dass Versöhnung und ein neuer Anfang möglich werden.

    Die Geschichte zeigt auch eine wichtige Wahrheit über das menschliche Leben. Viele Menschen erleben Zeiten, in denen sie falsche Entscheidungen treffen oder sich von ihren ursprünglichen Werten entfernen. Manchmal müssen sie schmerzhafte Erfahrungen machen, bevor sie erkennen, was wirklich wichtig ist. Das Gleichnis macht Mut, trotz Fehlern nicht aufzugeben.

    Ebenso bedeutsam ist die Haltung des Vaters. Er wartet nicht mit Vorwürfen oder Strafen, sondern begegnet seinem Sohn mit Liebe und Vergebung. Damit zeigt Jesus, dass echte Vergebung nicht zuerst auf die Vergangenheit schaut, sondern auf die Möglichkeit eines neuen Anfangs.

    Auch der ältere Bruder spielt in der Geschichte eine Rolle. Er versteht die Freude des Vaters zunächst nicht und empfindet die großzügige Aufnahme seines Bruders als ungerecht. Dadurch macht Jesus deutlich, wie schwer es Menschen manchmal fällt, anderen zu vergeben. Das Gleichnis lädt dazu ein, die Freude über die Rückkehr eines Menschen höher zu bewerten als seine früheren Fehler.

    Die Redewendung „der verlorene Sohn“ beschreibt einen Menschen, der sich verirrt oder von seinen Wurzeln entfernt hat und schließlich zurückkehrt. Das Gleichnis in Lukas 15,23–24 erzählt von Umkehr, Vergebung und bedingungsloser Liebe. Es gehört zu den schönsten Botschaften der Bibel und erinnert daran, dass kein Mensch für immer verloren sein muss und dass ein Neuanfang jederzeit möglich ist.

  • Die Starken bedürfen des Arztes nicht

    „Die Starken bedürfen des Arztes nicht“
    (Matthäus 9,12; Markus 2,17; Lukas 5,31)

    Das Wort Jesu „Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken“ gehört zu den bekanntesten Aussagen des Neuen Testaments. Jesus spricht diese Worte, als die Pharisäer ihn dafür kritisieren, dass er mit Zöllnern und Sündern zusammen isst. In der damaligen Gesellschaft galten diese Menschen als moralisch verwerflich und wurden oft ausgegrenzt. Jesus antwortet darauf mit dem Bild eines Arztes: Ein Arzt sucht nicht diejenigen auf, die gesund sind, sondern diejenigen, die Hilfe benötigen.

    Mit diesem Vergleich macht Jesus deutlich, worin sein Auftrag besteht. Er ist gekommen, um Menschen zu retten, die sich von Gott entfernt haben. Dabei geht es nicht nur um offensichtliche Fehler oder Schuld, sondern um die grundlegende menschliche Bedürftigkeit. Jeder Mensch macht Fehler, hat Schwächen und braucht Vergebung. Wer jedoch glaubt, keine Hilfe zu benötigen und sich selbst für gerecht hält, verschließt sich der Botschaft Jesu.

    Das Bild des Arztes zeigt außerdem die Barmherzigkeit Gottes. Ein guter Arzt verurteilt seine Patienten nicht wegen ihrer Krankheit, sondern hilft ihnen, gesund zu werden. Ebenso begegnet Jesus den Menschen mit Liebe und Verständnis. Er sieht nicht nur ihre Fehler, sondern auch ihre Würde und ihre Fähigkeit zur Veränderung. Seine Nähe zu den Ausgegrenzten zeigt, dass niemand von Gottes Liebe ausgeschlossen ist.

    Die Aussage Jesu hat auch für die heutige Zeit große Bedeutung. Viele Menschen neigen dazu, andere nach ihren Fehlern zu beurteilen oder sich selbst für besser zu halten. Jesus fordert jedoch zu einer Haltung der Demut auf. Wer die eigenen Schwächen erkennt, kann offen für Veränderung und für Gottes Hilfe werden. Gleichzeitig erinnert uns dieses Wort daran, Menschen nicht auszugrenzen, sondern ihnen mit Mitgefühl und Verständnis zu begegnen.

    Die Aussage „Die Starken bedürfen des Arztes nicht“ zeigt den Kern der Botschaft Jesu: Gott wendet sich besonders denjenigen zu, die seine Hilfe brauchen. Nicht Selbstgerechtigkeit, sondern die ehrliche Erkenntnis der eigenen Bedürftigkeit öffnet den Weg zu Vergebung, Heilung und einem neuen Leben. Das Wort lädt jeden Menschen dazu ein, Gottes Barmherzigkeit anzunehmen und sie auch anderen weiterzugeben.